Schärfe und Belichtung gezielt und schnell (!) steuern

 

Wenn wir beim Photographieren ein Bild gestalten, haben wir oftmals dass Problem, dass

1., die Schärfe dort liegt, wo sie die Kamera hinlegt aber nicht da, wo wir sie haben wollen und

2., die Belichtung über die gesamte Bildfläche ermittelt wird und oftmals wichtige Bildteile, die keine große Fläche bedecken, über- oder unterbelichtet werden.

 

Man kann nun mühsam den Autofokuspunkt dorthin verschieben, wo die Schärfe sein soll und über die Einstellung der Messmethode für eine richtige Belichtung sorgen,- und dann anschließend alles zurückstellen , um das nächste Bild zu machen.

Wie gesagt, sehr mühsam.

 

Da die meisten mit Zoomobjektiven photographieren ist für mich, und nach etwas Gewöhnung auch für meine Kursteilnehmer, folgende Vorgehensweise effektiver:

 

1., Bildkomposition/ Bildgestaltung

Man überlegt sich den Bildausschnitt und stellt ihn ein (zoomen)

 

2., Kontrolle im Sucher und Display

Durch das halbe Drücken des Auslösers, kann man bei entsprechender Kameravoreinstellung sehen, wo die Schärfepunkte liegen. Liegen diese richtig und gibt es nur geringe Helligkeitsunterschiede im Bild, kann man nun getrost sofort ein Bild machen und es ggf. anzeigen lassen und mit Hilfe des Histogramms prüfen, ob es keine „abgesoffenen“ Bereiche (Kurve stößt an den linken, schwarzen Rand) oder „ausgefressene“ Bereiche (Kurve stößt an den rechten, weißen Rand) gibt. Letzteres können viele Kameras auch durch ein Blinken des zu hellen Bereiches anzeigen.

 

Quelle: Umfoto.de

 

 

Will man aber die Schärfe wo anders haben und gibt es große Helligkeitsunterschiede im Bild empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

 

3., Belichtung einspeichern

Zoomen und Schwenken Sie auf einen Bereich, der ausgewogen ausgeleuchtet sein soll. Meist ist das ihr Hauptmotiv. Zoomen, damit dieser Bereich formatfüllend im Display angezeigt wird und maßgebend für die Belichtungsermittlung der Kamera wird. Dann drücken Sie die AE- bzw. Sternchentaste. Die meisten Kameras sind so voreingestellt, dass durch einmaliges Drücken die Belichtung für das nächste Bild gespeichert wird,- manchmal müssen sie aber auch diese Taste gedrückt halten bis Sie den Auslöser drücken.

 

4., Schärfe speichern

Zoomen sie auf einen Punkt, der dort liegt, wo Sie die Schärfe haben wollen oder der in vergleichbarer Entfernung liegt. Oftmals ist das auch in der Nähe des Hauptmotives, so dass sie den Zoombereich von Punkt 3 (Belichtungsmessung) weiter verwenden können.

Wenn Sie nun den Auslöser halb drücken, wird der Autofokusbetrieb gestoppt, d.h. die augenblickliche Entfernungseinstellung bis zur Gesamtauslösung nicht mehr geändert.

 

Dabei sind 3 Dinge zu beachten:

   -Manche Kameras sind so voreingestellt, dass halbes Auslöserdrücken Belichtung und Autofokuseinstellung speichert. Wenn sie ihr

         aber gestalten wollen, sollten Sie diese 2 Wertespeicherungen in den Voreinstellungen trennen.

   -Ihr Objektiv muss natürlich im Autofokusmodus „Single Shot“ sein und nicht in der Einstellung „manuell“ oder  „Autofokus    

        Servo“ sein, der, wie bei bewegten Objekten notwendig, dauernd die Schärfe nachführt.

   -Die Autofokusmesspunkte dürfen nicht das ganze Bild ausfüllen. Also reduzieren Sie diese auf einen kleinen Bereich: 9 Punkte statt

        62 oder so.

 

5., Bildgestaltung

Mit halb gedrücktem Auslöser für den Autofokus (Belichtung ist ja bis zur Aufnahme gespeichert) zoomen Sie wieder zu dem Bildausschnitt, denn Sie sich unter Punkt1 bereits überlegt hatten und drücken durch. Fertig ist das Bild.

 

6., Displaykontrolle

Nun mit Hilfe des Histogramms können Sie prüfen, ob es keinen „abgesoffenen“ Bereich (Kurve stößt an den linken, schwarzen Rand) oder „ausgerissenen“ Bereich (Kurve stößt an den rechten, weißen Rand) gibt. Letzteres können viele Kameras auch durch ein Blinken des zu hellen Bereiches anzeigen.

 

Mit den Erklärungen klingt das sehr umständlich.

Tatsächlich ist es aber ein Ablauf, der sehr schnell von der Hand geht, da Sie die Kamera nicht vom Auge nehmen müssen:

 

  • Bildausschnitt wählen
  • Zum Wichtigen zoomen und FE/Stern-Taste drücken
  • Zum Schärfepunkt, falls wo anders zoomen/schwenken  und Auslöser halb drücken
  • Zurückzoomen Bildausschnitt einstellen, Auslöser durchdrücken

 

 

 

In dieser Situation würde, da der Torgang ein großer bildbestimmender Teil ist, die Kamera die Belichtung danach berechnen und das Haus wäre zu hell.

 

Die Schärfe läge in der Bildmitte auf dem Kopfsteinplaster.

 

 

Es wird auf das Haus gezoomt.

 

Die AE/Sternchen-Taste gedrückt (korrekte Belichtung für das Haus gespeichert)

 

Der Auslöser halb betätigt (Schärfe gespeichert)

 

 

Wieder auf den gesamten Bildausschnitt zurückgezoomt.

 

Der Auslöser durchgedrückt.

 

Ergebnis:

Das Haus ist scharf und korrekt belichtet

Die hässlichen Details im Durchgang verschwinden.

Bildgestalterisch erfolgt durch den Tunnel eine Dunkel- nach Hell-Führung des Betrachters.

Wenn es nicht gleich klappt, bitte nicht verzagen. Lesen Sie den oberen Text gründlich und überprüfen Sie die Voreinstellungen Ihrer Kamera.

 

Ihr Thomas Kögl (Mai 2016)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© P3 - Die didaktische PHOTOSCHULE - Schritt für Schritt zum photographischen Erfolg

Phototechnik - Blickschulung - Bildgestaltung - Exkursionen - Bildentwicklung - Bildbesprechung - Bildbeurteilung